Die grossen Katastrophen

Katastrophen sind etwas völlig Normales

Katastrophen sind nichts anderes, als konzentrierte, in Umfang und Eintretenszeitpunkt unerwartete Grossereignisse, die dem Menschen Schaden zufügen. Die Natur kennt keine Katastrophen.

Alarm! bietet hier einen kleinen Überblick über Katastrophen, die für die Schweiz Bedeutung hatten oder die von der Schweiz aus wahrgenommen wurden. Wir beschränken uns dabei auf natürliche, kriminelle oder technische Ereignisse und klammern kriegerische Ereignisse aus – im vollen Bewusstsein, dass die Grenze zwischen Krieg und Kriminalität manchmal schwer zu ziehen ist.

Ebenso schwierig ist ist die Abgrenzung zwischen Unfall, schwerem Unfall oder eben Katastrophe. Zwar gibt es eine Reihe trefflicher Regeln und Definitionen zur Einordnung – aber diese sachlichen Kriterien versagen, wenn es um die Wahrnehmung des Vorfalles durch die Menschen geht. Zehn Tote bei einem Lawinenunglück in der Schweiz werden anders empfunden als zehntausend Tote bei einem Erdrutsch in Südostasien. Man mag das aus ethischer Sicht beklagen, aber es ist die Natur des Menschen. Nähe schafft Betroffenheit.

Auch sonst mag die Auswahl noch zufällig erscheinen – aber wir werden die Zusammenstellung laufend ergänzen.

Für Hinweise ist die Redaktion dankbar.

Was kann man tun, um Unheil und Schäden von sich abzuwenden?

Der Rückblick auf frühere Ereignisse bringt nur dann etwas, wenn wir daraus Lehren ziehen, um bei zukünftigen Katastrophen besser gewappnet zu sein.

«Alarm!» bereitet zurzeit für alle möglichen Unfälle und Katastrophen Verhaltensregeln (präventiv und für den Ernstfall) vor, die sukzessive auf dieser Seite aufgeschaltet werden.

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Massaker Ütöy (2011)

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Japan Tsunami, Erdbeben, Atomkatastrophe Fukushima (2011)

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Loveparade Duisburg (24.7.2010)

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Amoklauf Winnenden (11.3.2009) und Ansbach (17.9.2009)

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U-Bahn-Attentate London (Juli 2005)

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Tsunami Thailand (26.12.2004)

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Madrider Zuganschläge (11.3.2004)

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Flugzeugzusammenstoss Überlingen (1.7.2002)

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Amoklauf in Erfurt (26.4.2002)

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Anschlag in Djerba (11.4.2002)

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Amoklauf von Zug (27.9.2001)

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Bergsturz von Gondo (2000)

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Atomunfall Tokaimura

(30. September 1999)

Um Zeit zu sparen, geben Angestellte in Tokaimura zuviel Uran in einen Fülltank. Daraufhin ereignet sich der schwerste Atom-Unfall seit Tschernobyl, laut INES ein Unfall der Stufe 4. Es ist zudem der bis dahin schwerste in der Geschichte Japans. Mehr als 600 Menschen werden verstrahlt. Rund 320’000 Menschen werden aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht. Zwei Mitarbeiter sterben Monate nach dem Unglück.

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Lawinenkatastrophe von Galtür (1999)

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Massaker von Luxor (1997)

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Tomsk-7

Durch eine Explosion im April 1993 in einer geheimen Wiederaufbereitungsanlage Tomsk-7 in Westsibirien wird radioaktives Material freigesetzt, darunter Uran-235, Plutonium-237 und verschiedene andere Spaltmaterialien. Das Ausmass der Schäden und die Opferzahlen sind unbekannt.

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Olympische Spiele München (1972)

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Schweizerhalle

Am 1. November 1986 ereignete sich in einer 1350 Tonnen Chemikalien enthaltenden Lagerhalle der damaligen Sandoz in Schweizerhalle ein Grossbrand. Der dicke Rauch, der Gestank und die unbekannte Zusammensetzung der Verbrennungsgase veranlassten die Behörden der Nachbargemeinden, die Bevölkerung frühmorgens mit allgemeinem Sirenenalarm zu alarmieren, auch wurde eine mehrstündige Ausgangssperre verhängt.

Menschen erlitten keine akuten Schäden, mit Ausnahme von drei Personen mit vorbestehendem Asthma, die Hospitalisierung benötigten. Jedoch gelangten über das Löschwasser die Giftstoffe in den Rhein, wo sie ein Fischsterben auslösten. Die benachbarte Chemiefirma Ciba-Geigy nutzte den Unfall, um als Trittbrettfahrer vermeintlich unbemerkt 400 Liter Atrazin, ein Pflanzenschutzmittel, in den Rhein einzuleiten. Das dynamische Fließgewässer-System und die Organismen erholten sich in wenigen Monaten vom Unglück. Der in den Rhein gelangte rote Farbstoff bewirkte zwar eine starke Färbung des Wassers, war selbst aber harmlos.

Der offizielle Untersuchungsbericht gelangte (nur «aufgrund theoretischer Überlegungen») zum Schluss, dass beim Verpacken von Paletten mit Berliner Blau die falsche Handhabung einer sogenannten Schrumpfpistole zu einem Glutherd führte, der als Ursache gelten könnte. Die nachfolgenden Gerichtsverfahren führten jedoch zu keiner Verurteilung. Das Werk gehört heute zur Firma Clariant.

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Tschernobyl

Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Als erstes Ereignis wurde sie auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse als katastrophaler Unfall eingeordnet.

Bei einer Simulation eines vollständigen Stromausfalls kam es auf Grund schwerwiegender Verstöße gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften sowie der bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors vom Typ RBMK-1000 zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der zur Explosion des Reaktors führte. Innerhalb der ersten zehn Tage nach der Explosion wurde eine Aktivität von mehreren Trillionen Becquerel freigesetzt. Die so in die Erdatmosphäre gelangten radioaktiven Stoffe, darunter die Isotope Caesium-137 mit einer Halbwertszeit (HWZ) von rund 30 Jahren und Iod-131 (HWZ: 8 Tage), kontaminierten infolge radioaktiven Niederschlags hauptsächlich die Region nordöstlich von Tschernobyl sowie viele Länder in Europa.

Der Unfall wird erst öffentlich, als in Nordeuropa erhöhte Radioaktivität gemessen wird. Nach halbamtlichen Angaben sterben mehr als 25’000 Menschen, hunderttausende Menschen werden nach Schätzungen verstrahlt, vor allem in den damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Weissrussland und Russland.

Nach der Katastrophe begannen sogenannte Liquidatoren mit der Dekontamination der am stärksten betroffenen Gebiete. Unter der Leitung des Kurtschatow-Instituts errichtete man bis November 1986 einen aus Stahlbeton bestehenden provisorischen Schutzmantel, der meist als „Sarkophag“ bezeichnet wird.

Über die weltweiten gesundheitlichen Langzeitfolgen, insbesondere jene, die auf eine gegenüber der natürlichen Strahlenexposition geringfügig erhöhte effektive Dosis zurückzuführen sind, gibt es seit Jahren Kontroversen.

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Bhopal

Die Katastrophe von Bhopal ereignete sich am 3. Dezember 1984 im indischen Bhopal, der Hauptstadt des Bundesstaats Madhya Pradesh. In einem Werk des US-Chemiekonzerns Union Carbide Corporation traten aufgrund technischer Pannen mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre. Es war die bisher schlimmste Chemiekatastrophe und eine der bekanntesten Umweltkatastrophen der Geschichte. Tausende von Menschen starben an ihren unmittelbaren Folgen.

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Atomunfall in Harrisburg/Three Mile Island

Im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im US- Bundesstaat Pennsylvania kommt es am 28. März 1079 zu einer teilweisen Kernschmelze, durch die im Reaktor Radioaktivität freigesetzt wird. 140’000 Menschen werden vorübergehend in Sicherheit gebracht, Bevölkerung und Umwelt bleiben aber verschont. Nach der INES-Skala handelt es sich um einen ernsten Unfall der Stufe 5.
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Seveso

Das Unglück von Seveso war ein Chemieunfall, der sich am 10. Juli 1976 in der chemischen Fabrik Icmesa im italienischen Meda, 20 Kilometer nördlich von Mailand, ereignete. Icmesa war ein Tochterunternehmen von Givaudan, das wiederum eine Tochter von Roche war. Das Firmengelände berührte das Gebiet von vier Gemeinden, unter ihnen Seveso, das Namensgeber des Unglücks wurde. Dabei wurde eine unbekannte Menge des hochgiftigen Dioxins TCDD freigesetzt, das umgangssprachlich auch Dioxin oder Sevesogift genannt wird.

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Flugzeugentführung nach Zerqa (1969/1979)

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Explosion im Versuchs-Kraftwerk von Lucens

Im schweizerischen Versuchs-Atomkraftwerk Lucens FR (zwischen Freiburg und Lausanne) explodiert am 21. Januar 1969 ein Brennelement. In der Umgebung der unterirdischen Anlage wird eine leicht erhöhte Radioaktivität gemessen. Der Schwerwasserreaktor, eine schweizerische Eigenentwicklung, wird in der Folge zerlegt und dekontaminiert.

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Eislawine von Mattmark (1965)

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Erdbebenserie in Obwalden (1964)

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Dammkatastrophe von Longarone (1963)

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Brand in der Atomanlage von Sellafield (GB) (1957)

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Atomkomplex Majak im Ural

Auf dem russischen Atomkomplex Majak im Ural kommt es am 29. September 1957 zu einer Störung des Kühlsystems und einer Explosion, durch die 23’000 Quadratkilometer (entspricht mehr als der Hälfte der Fläche der Schweiz) radioaktiv verseucht werden. Nachträglich wird der Vorfall auf der siebenstufigen Internationalen Bewertungsskala für atomare Ereignisse (INES) als schwerer Unfall der Kategorie sechs eingestuft.

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Lawinenkatastrophe von Blons/Vorarlberg

Es ist die bisher grösste Lawinenkatastrophe in der Geschichte der Alpen: Im Januar 1954 vernichten insgesamt 13 Lawinen das Dorf Blons im Grossen Walsertal (Vorarlberg). Mehr als 100 Menschen werden verschüttet, mehr als 50 Menschen sterben unter den Schneemassen.

Einen ganzen Tag lang sind die Überlebenden mit der Tragödie allein, denn die Telefonleitungen sind tot, die Strassen unpassierbar. Mit blossen Händen suchen die Menschen nach ihren Angehörigen. Als die Behörden endlich von der Katastrophe erfahren, bahnen sich Hilfsorganisationen, Feuerwehren und Hunderte Freiwillige aus dem In- und Ausland den Weg ins tief verschneite Walsertal.

Mit der Katastrophe von Blons begann die technische Schutzverbauung der Alpen. Jahrhundertelang hatten die Bewohner der Alpentäler mit dem «Weissen Tod» gelebt, Lawinen als Schicksal hingenommen.

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Lawinenkatastrophe von Airolo (1951)

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Brand der Hindenburg (1937)

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Bergsturz von Elm (1881)

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Goldauer Bergsturz (1806)

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Erdbeben von Lissabon Brand, Erdbeben, Tsunami (1755)

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Bergsturz von Biasca

Am 30. September 1513 rutschte die Westflanke des Monte Crenone ab und verwüstete den Talgrund nördlich von Biasca bei der Einmündung des Bleniotals. Der Schutt bildete einen Damm quer durch das Tal, der an seiner niedrigsten Stelle eine Höhe von 60 Metern erreichte. Rasch bildete sich ein See von 5 Kilometern Länge. Das Dorf Malvaglia wurde vollständig überschwemmt; nur noch der Kirchturm ragte aus dem Wasser. Das Dorf Loderio wurde vollständig zerstört.

Am 20. Mai 1515 brach der Schuttdamm, worauf sich eine riesige Welle aus Wasser und Schlamm durch das Tal wälzte. Die Schäden waren mindestens so gross wie beim eigentlichen Bergsturz. Alle Brücken über den Ticino bis zum Lago Maggiore wurden weggerissen. Auch die Mauern, die die Burg Castelgrande von Bellinzona mit der Torretta-Brücke verbanden, wurden teilweise zerstört.

Diese Naturkatastrophe hatte auch noch ein merkwürdiges gerichtliches Nachspiel. Biasca verklagte die Gemeinde Malvaglia, weil sie Zauberei eingesetzt hätte, um ihr Dorf vom See zu befreien. Die Gemeinde wurde zwar freigesprochen, doch hielt sich noch lange das Gerücht, bei diesem Ereignis seien magische Kräfte im Spiel gewesen. Im 20. Jahrhundert wurde Material aus dem Schuttkegel beim Bau der Gotthardautobahn verwendet.

(Quelle: Wikipedia)

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Erdbeben von Basel (1356)

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Quellen

Für unsere Zusammenstellung haben wir unzählige Quellen benutzt, allen voran natürlich unser eigenes Archiv, Meldungen von schweizerischen Tageszeitungen und der Schweizerischen Depeschenagentur, Wikipedia und viele andere. Die Nennung aller einzelnen Quellen zu jedem Artikel ist unmöglich, aber auf Wunsch von Urhebern, die einen besonders erwähnenswerten Satz von sich finden, werden wir selbstverständlich einen entsprechenden Hinweis einfügen.

(Veröffentlicht/zuletzt geändert: 12. Oktober 2013 / 12. November 2019)