Warnsystem Wildunfälle

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Wildunfälle

Neues Warnsystem, neues Konzept

Für Wildunfälle braucht es immer zwei: ein Wildtier und einen Autofahrer. Bisher basierten Sicherheitssysteme darauf, Wildtiere von der Strasse wegzuscheuchen – jetzt hat eine österreichische Firma einen anderen Ansatz gefunden: Autofahrer auf das Nahen von Tieren aufmerksam zu machen.

Unfälle mit Wildtieren nehmen seit Jahren zu, und die Folgen reichen von Sachschäden über das Leiden von angefahrenen Tieren bis hin zu Menschen als Unfallopfer. Anfang Februar 2019 wurde in der Nähe von Zürich ein Autofahrer bei der Kollision mit Pferden auf der Autobahn getötet – aber für einen toten Autofahrer reicht auch ein ordentliches Wildschwein oder ein kapitaler Hirsch.

Bisher haben alle Versuche zur Verminderung von Wildunfällen auf dem Konzept basiert, Tiere durch Blendmechanismen von der Strasse fernzuhalten oder zu verscheuchen.

Nach anfänglichen Erfolgen haben sich die Tiere rasch an diese Störelemente gewöhnt und nehmen sie offenbar nicht mehr ernst.

Das Konzept der österreichischen Firma AniMot geht den umgekehrten Weg: Sensoren an den Strassenleitpfosten erkennen Tierbewegungen am Strassenrand und warnen die Autofahrer mit Blinklicht vor diesen Gefahren. Die Hoffnung: Dass Autofahrer intelligenter sind als Rehe und Füchse, diese Warnungen ernst nehmen, die Geschwindigkeit reduzieren und die Aufmerksamkeit erhöhen.

Wie funktioniert das System?

An den Strassenleitpfosten werden etwa handgrosse Sensoren montiert, die Bewegungen am Strassenrand feststellen. Um Fehlalarme (zum Beispiel durch sich im Wind bewegende Büsche) zu vermeiden, wird eine Kombination aus Bewegungs- und Wärmesensoren eingesetzt.

Die Geräte sind autonom, sie brauchen keine Kabelverbindungen, die Stromversorgung geschieht über Fotozellen.

Die einzelnen Geräte überblicken einen Bereich von über zwanzig Metern und etwa 160 Grad – da Wildtierbewegungen unberechenbar sind, alarmieren sie über Funk auch die benachbarten Geräte, damit Autofahrer schon auf grössere Distanz gewarnt werden.

Erste Teststrecken in Süddeutschland

Mitte Februar wurden in Bayern mehrere Teststrecken in Betrieb genommen, die über drei Jahre die Tauglichkeit des Systems zeigen sollen.
Wie Alarm! weiss, sind mittlerweile auch in der Schweiz Bestrebungen da, das System zu testen. Erste Informationen von Behörden sind von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW für den März angekündigt.

Was kostet das Ganze?

Alarm! wollte natürlich von den Verantwortlichen auch Angaben zu den Kosten erhalten. Darüber hüllen sich allerdings sowohl die Systementwickler als auch die bayrischen Behörden in umfassendes Schweigen.

Während sich die Kosten pro Sensor wohl in überschaubaren Bereichen bewegen (Gewährsleute von Alarm! schätzen die Produktionskosten auf deutlich unter zehn Franken), sind natürlich die gesamten Entwicklungskosten ein wesentlicher Kostenfaktor.

Zudem kommt – und das kann erst nach der Testphase beurteilt werden – der Unterhalt der Installation. Die Geräte sind nach Angabe des Herstellers gegen alle üblichen Wettersituationen in unseren Breitengraden gefeit. In Bayern wollen sich nach Angaben von Staatsekretär Eck die Jäger in ihren Jagdgebieten um die Kontrolle kümmern. Offen ist die Gefahr von Vandalismus – zwar sind die meisten Geräte weit von bewohnten Gebieten entfernt – aber auch schlecht zu überwachen.

Das Fazit von Alarm!

Probleme neu zu denken, ist immer ein guter Ansatz. Ob die Hoffnung, dass Autofahrer klüger sind als Wildschweine, aufgeht, bleibt noch zu beweisen.

(Bilder: Rodolfo Keller /Alarm!)
(Veröffentlicht/zuletzt geändert: 17. Februar 2019)
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