Feiern, wenn andere leiden?

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Vom persönlichen Umgang mit Krieg und Krisen

Feiern, wenn andere leiden?

Wir erleben jetzt, völlig unerwartet, den brutalen Vernichtungskrieg des russischen Gewaltherrschers Putin gegen das Nachbarland Ukraine. Keine zwei Flugstunden von unserer Grenze entfernt ermordet Putins Soldateska täglich dutzende, hunderte Zivilisten.
Und was tun wir? Es ist Osterzeit, der Frühling lädt ein zum Feiern, wir wollen reisen und fröhlich sein. Dürfen wir das?

Sechs Tipps sollen helfen, uns in dieser Situation zu orientieren.

1. Tipp: Die Angst annehmen und logisch hinterfragen

Das Wichtigste ist, sich unserer Angst bewusst zu werden und sie als etwas Normales anzunehmen. Die aktuellen Geschehnisse auf der Welt sind nun mal bedrückend und beängstigend. Ist man sich der Angst bewusst, sollte man diese sachlich hinterfragen. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Krieg auch in die Schweiz kommt? Wie hoch ist die Gefahr einer nuklearen Eskalation wirklich? Oft hilft schon eine rationale Einordnung, das beklemmende Gefühl etwas loslassen zu können.
Hilfreich kann es sein, alle seine Ängste aufzuschreiben und so ruhig zu ordnen und zu überblicken.

2. Tipp: Den ständigen Konsum negativer Nachrichten unterbrechen

«Doomscrolling» nennt es sich, wenn man permanent negative Nachrichten konsumiert. Wer Ängste hat, versucht diese oft durch immer neue Informationen zu bestätigen. Zwar ist es wichtig, informiert zu sein, aber man muss auch den Absprung schaffen. Das ständige Auseinandersetzen mit negativen Nachrichten führt langfristig in eine emotionale Abwärtsspirale. Es ist wichtig, den Notknopf zu drücken und sich einfach mal zurückzuziehen.

3. Tipp: Einfach mal lachen oder singen

Gegen die Angst und bedrückte Stimmung hilft manchmal nur eins: Lachen oder Singen. In Krisenzeiten kann das wahre Wunder vollbringen. Nicht umsonst ist in Berufen, die sich täglich mit dem Leid anderer konfrontiert sehen, schwarzer Humor häufig ausgeprägt. Selbst in den grössten Ängsten etwas zu finden, worüber man lachen kann, ist eine sehr gute Methode. Lachen kann im Körper Anspannungen lösen und Glückshormone freisetzen. Diese unterdrücken die Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin.

4. Tipp: Offen über eigene Ängste sprechen und diese teilen

In jeder Krise steckt auch eine Chance. Es ist wichtig, mit anderen über die eigenen Ängste zu sprechen und sich mit Freunden, Bekannten oder in der Familie auszutauschen. Dabei erkennt man oft, dass man mit seinen Sorgen nicht alleine ist. Diese Erkenntnis hilft, depressiven Stimmungen vorzubeugen.

5. Tipp: Professionelle Hilfe suchen, wenn die Angst zu gross wird

Hat man das Gefühl, dass einen die negativen Emotionen und Ängste das alltägliche Leben stark einschränken und man selbst aus der Abwärtsspirale nicht herauskommt, sollte man professionelle Hilfe suchen. Es ist wichtig, den Punkt zu erkennen, an dem die eigene Kraft nicht mehr ausreicht. Psychologische Beratungsdienste, seelsorgerische Angebote oder Notrufnummern könnten dann eine geeignete Anlaufstelle sein.

Wichtigster Tipp: Helfen können wir nur, wenn wir selber stark sind

Wenn wir dazu beitragen wollen, den Krieg zu beenden oder wenigsten den betroffenen Menschen zu helfen, bringt es nichts, den ganzen Tag mit einer Leichenbittermiene herumzulaufen.
Was wir brauchen, ist Wut, Mut und Guten Mut. Wir sollen, dürfen und müssen uns auch freuen über jeden guten Tag, über jedes schöne Treffen und lustige Fest.

Dann finden wir auch Kraft, Putins mörderisches Gemetzel in der Ukraine erfolgreich zu bekämpfen.

(Bild: Erich Schilling, Der Russische Osterhase, veröffentlicht 1917 in der satirischen Zeitschrift «Simplizissimus»)
(Dieser Beitrag wurde inspiriert durch einen Artikel von Pfarrr Heiko Kuschel aus Schweinfurt (D).)
(Veröffentlicht/zuletzt geändert: 10. April 2022)

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