Folge 2: SRG – das Urgestein verlässlicher …

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Alarmierung im Notfall – Folge 2 vom 18. Februar 2018

Gefährdet Nobillag die Sicherheit?

Die Diskussion um die Nobillag-Initiative geht in die letzte Phase. Finanzielle und politische, kulturelle und ideologische Fragen sind weitgehend durchdiskutiert.

Eine wichtige, zentrale Frage ist aber nur am Rande behandelt worden: Was bedeutet Nobillag für die Sicherheit unseres Landes und seiner Bewohner?

Für die Sicherheit der Bevölkerung in Krisensituationen (in der Fachsprache «ausserordentliche Lagen» genannt) sind in erster Linie die Behörden von Gemeinden, Kantonen und Bund verantwortlich. Sie verfügen über die notwendigen Mittel und Einsatzkräfte, vom Zivilschutz über Feuerwehr und Polizei bis zur Armee.

Ebenso wichtig ist aber das richtige Verhalten der Bevölkerung, denn das entscheidet letzlich, ob eine Krise gemeistert werden kann oder sich noch weiter verschärft.

Das richtige Verhalten setzt aber die ausreichende und gute Information der Bevölkerung voraus. Ob terroristische Bedrohung, Erdbeben, Seuchen und Krankheiten, Chemieunfall oder Bergsturz, immer steht die verlässliche und rechtzeitige Information an erster Stelle.

Eine wichtige Rolle spielt bisher bei der Information die quasistaatliche SRG mit ihren zahlreichen Sendern in allen Landesprachen. Eine Annahme der Nobillag-Initiative würde die SRG stark verändern.

Die SRG – das Urgestein der verlässlichen Information 

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG ist seit Jahrzehnten in der Schweiz der Inbegriff für verlässliche Information. Formell als Verein konstituiert, hat sie sich aber immer als staatsnahes Medium verstanden, und auch die Politik hat die SRG gerne als ihren verlängerten Arm betrachtet.

Auch wenn seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gelegentlich Uneinigkeit über den Grad der politischen Neutralität aufkam, in einem Bereich waren die SRG-Sender praktisch unbestritten: Auf die wichtigen Nachrichten konnte man sich inhaltlich verlassen.

Ob als «Landessender Beromünster», später unter immer wieder wechselnden Namen, aber immer zuverlässig, so kennt man die Sender der SRG.

Das grosse Verdienst: gute Journalisten

Für die Organisationsform der SRG hat sich bis vor wenigen Jahren kein Mensch wirklich interessiert. Es gab ein paar politisch aktive oder in den Medien bewanderte Personen (so auch der Autor dieser Serie), die sich in den «Regionalgesellschaften» der SRG engagiert hatten, aber für den Normalhörer oder -Zuschauer war die Organisation quasi gottgegeben.

Das Entscheidende war: Für die SRG arbeiteten gute Journalisten, die ihr Metier beherrschten und als Dienst an der Allgemeinheit verstanden. Und die darüber hinaus noch mehr waren: Sie waren Persönlichkeiten, die man vom Stil, von der Stimme und vom Namen her kannte. Im englischsprachigem Raum nennt man das «Anchorman», die Person – nein, die Persönlichkeit – die einen Hörer an den Sender bindet und Vertrauen garantiert.

Das Monopol ist angezählt

Solche Journalisten gibt es auch heute noch bei den SRG-Sendern. Aber sie haben an Bedeutung verloren. Nicht weil sie schlechter oder weniger vertrauenswürdig wären, sondern weil der SRG das Informationsmonopol abhanden gekommen ist. 

Seit Radio 24 und Roger Schawinsky, also seit mittlerweile 39 Jahren, gibt es in der Schweiz Privat- und Lokalradio. Am Anfang reine Musik- und Spassender, haben sie mittlerweile lokal ein treues Publikum und eben auch das Wichtigste für die Information in Krisenlagen: Journalisten oder zumindest Präsentatoren, denen man vertraut.

Noch haben sie weder die Kompetenz noch die Kapazität, in wirklichen Krisenlagen eine Leistung wie die SRG heute zu erbringen. Aber sie haben etwas vom Wichtigsten: Personen, denen man vertraut

Und wie rasch Kompetenz und Informationsleistung aufgebaut werden kann, hat der TV-Sender CNN 1991 beim Irakkrieg, vor mittlerweile 27 Jahren, gezeigt. Der Vergleich hinkt, wie alle Vergleiche hinken, aber er zeigt: Informationsleistung kann sehr rasch aufgebaut werden. Wieweit dabei spezielle Interessen in die «Information» einfliessen, kann erst im Nachhinein beurteilt werden – für die Bevölkerung zählt aber im Krisenfall nur die aktuelle Information.

Zwischenbilanz

Urgestein zu sein, ist eine ehrenvolle Rolle. Die SRG muss sich aber trotz ihrer Verdienste mit den veränderten Bedingungen auseinandersetzen – allein die Tatsache, dass sie bisher durch Gebühren finanzierte Leistungen in hoher Qualität erbracht hat, ist noch keine unbedingte Zusage für die Fortführung in alle Zukunft.

Tatsache ist: Über die Bedeutung der SRG in der Zukunft entscheidet nur die Qualität und die Vertrauenswürdigkeit der Journalisten, nicht die Grösse der Organisation.

Wieweit bestimmte kulturelle Leistungen nur durch eine bedingungslose Finanzierung (früher durch Fürsten, dann durch Staaten, heute durch Gebührenzahler) erbracht werden können, ist hier nicht zu diskutieren.

Alarm! fragt nur nach den Leistungen für den Dienst in Krisenzeiten. Ob und wie solche Leistungen auch durch andere Medien erbracht werden könnten, lesen Sie in der nächsten Folge.

(Veröffentlicht/zuletzt geändert: 18. Februar 2018/24. Februar 2018)

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