Folge 5: SRG – zuverlässige Technik auch in der Krise?

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Alarmierung im Notfall – Folge 5 vom 1. März 2018

Gefährdet Nobillag die Sicherheit?

Die Diskussion um die Nobillag-Initiative geht in die letzte Phase. Finanzielle und politische, kulturelle und ideologische Fragen sind weitgehend durchdiskutiert.
Eine wichtige, zentrale Frage ist aber nur am Rande behandelt worden: Was bedeutet Nobillag für die Sicherheit unseres Landes und seiner Bewohner?
Für die Sicherheit der Bevölkerung in Krisensituationen (in der Fachsprache «ausserordentliche Lagen» genannt) sind in erster Linie die Behörden von Gemeinden, Kantonen und Bund verantwortlich. Sie verfügen über die notwendigen Mittel und Einsatzkräfte, vom Zivilschutz über Feuerwehr und Polizei bis zur Armee.
Ebenso wichtig ist aber das richtige Verhalten der Bevölkerung, denn das entscheidet letzlich, ob eine Krise gemeistert werden kann oder sich noch weiter verschärft.
Eine wichtige Rolle spielt bisher bei der Information die quasistaatliche SRG mit ihren zahlreichen Sendern in allen Landesprachen. Eine Annahme der Nobillag-Initiative würde die SRG stark verändern.

SRG = zuverlässige Technik auch in der Krise?

In Krisensituationen ist für die Bevölkerung rasche, umfassende und zuverlässige Information von allerhöchster Bedeutung. Wäre die Sicherheit der Schweizer Bevölkerung ohne SRG in der heutigen Form in Gefahr? Alarm! hat zu dieser Frage wichtige Akteure und Verantwortliche befragt und die entscheidenden Regelungen analysiert.

Mobilnetze funktionieren fast immer, aber sie sind störungsanfällig – das erleben wir alle paar Wochen. In der Regel ist das nur ärgerlich (manchmal für Unternehmen auch existenzbedrohend), aber meistens ist der Spuk nach ein paar Stunden vorbei. In der Regel sind es ja auch nur Schlampereien der Netzbetreiber, die dazu führen. Aber was geschieht, wenn das Netz durch ernsthafte Probleme, vielleicht durch Cyberangriffe, lahmgelegt wird?

Für die wirklich grossen Notfälle hat die Schweiz ein kluges System: Durch Sirenen wird auf einen Notfall aufmerksam gemacht, durch Radio werden anschliessend die Detailinformationen nachgeliefert. Unsere gewohnten Radiosender haben dafür die Infrastruktur, die SRG-Sender sowieso, jetzt teilweise auch die Privaten.

Und auch das Internet ist ja noch da.

Funktioniert es auch im Krisenfall?

Aber funktioniert denn das auch immer, auch bei Cyberangriffen und Stromausfällen?

Auf der Empfängerseite ist es einfach: Ein Radio mit funktionierenden Batterien. Kleine Zwischenfrage: ist denn Ihr Radio DAB+-fähig? Haben Sie überhaupt noch ein Radiogerät, das ohne Netz funktioniert?

Auf der Senderseite: Wir haben in der Schweiz seit langem ein hervorragendes UKW-Sendernetz. Seit Jahrzehnten erprobt, wurden sogar «gehärtete Sendeanlagen» erstellt, also Sender und Antennenanlagen, die in jedem Krisenfall einsatzbereit sind. Antennen, die in die Berge eingelassen sind und jederzeit hochgefahren werden können, die Sendeleistungen haben, die in jeden Zivilschutzbunker im zweiten Untergeschoss reichen.

Die Theorie ist wunderschön

Wie schön das alles ist, können Sie über den Link https://www.babs.admin.ch/de/alarm/radioinfo.html, dort «Factsheet IBBK-Radio» anklicken, erfahren. Dass auf dieser Seite andere Links tot sind, braucht Sie nicht weiter zu stören, das ist halt einfach so.

Was uns eher stört: Die SRG und auch die anderen Behörden machen uns seit Jahren den DAB+ -Standard für den Radioempfang schmackhaft, um möglichst bald die UKW-Versorgung abstellen zu können. DAB+ ist keine schlechte Sache, sie verbessert den Empfang und bietet Möglichkeiten für viel mehr Sender.

Das Problem ist nur: Die von der SRG im IBBK-System hochgelobten Notfallsender sind heute für den grössten Teil der Radiohörer gar nicht mehr empfangbar. Die breite, SRG-geförderte Propaganda für DAB+ hat dazu geführt, dass mittlerweile bereits 61 Prozent der Hörer die digitalen Angebote nutzen – die aber über die wunderschön gehärteten UKW-Sender überhaupt nicht mehr ausgestrahlt werden können.

Zwischenbilanz

Die grosse Selbstbeweihräucherung der SRG als Notfallinformant Nummer 1 ist zumindest in technischer Hinsicht vorwiegend Schall und Rauch. Sie brüstet sich mit technischen Mitteln, die heute nur noch von einer Minderheit überhaupt genutzt werden können.

(Veröffentlicht/zuletzt geändert: 1. März 2018)

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Die unheilige Allianz der Medien-Grosskonzerne

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