Notfallübung Mühleberg 2017

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«Störfall» beim KKW Mühleberg

Gesamtnotfallübung 2017 mit dem Kernkraftwerk Mühleberg

Bei einem Störfall im Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) kommt es zu einem Austritt von Radioaktivität: Dieses Szenario haben das kantonale Führungsorgan zusammen mit regionalen und kommunalen Führungsstäben unter der Leitung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) geübt. An der dreitägigen Übung beteiligten sich auch die bei einem KKW-Unfall verantwortlichen behördlichen Führungs- und Stabsorganisationen in der Schweiz und im benachbarten Ausland sowie mehrere Spitäler des Kantons Bern. Dabei wurden bestehende Konzepte und die Zusammenarbeit unter den Organisationen sowie einzelne Massnahmen wie beispielsweise die Dekontamination geübt.

Zur Überprüfung der Vorbereitungen für die Bewältigung eines möglichen Unfalls sind für die Schweizer Kernkraftwerke regelmässige Übungen vorgeschrieben. Grundsätzlich muss alle zwei Jahre eine Gesamtnotfallübung (GNU) mit einem der vier Kernkraftwerke und allen weiteren betroffenen Stellen durchgeführt werden. Geübt wird dabei die Bewältigung eines schweren Störfalls, bei dem eine grössere Menge Radioaktivität freigesetzt wird. In diesem Jahr findet die GNU turnusgemäss mit dem Kernkraftwerk Mühleberg statt.

Notfallorganisation im KKW und Zusammenarbeit der Notfallschutz-Partner

Im Zentrum der GNU 2017 (26.-29 September) stand der Notfallstab des Kernkraftwerks Mühleberg. Die Werksnotfallübung fand am ersten Tag der GNU 2017 statt. Dabei musste der Notfallstab unter Beweis stellen, dass er über das erforderliche Know-how für die Bewältigung eines schweren Störfalls verfügt und dass die dafür vorgesehenen Abläufe funktionieren. Er mustes mit dem Kernkraftwerk Mühleberg die erforderlichen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt sowie des eigenen Personals rechtzeitig identifizieren, priorisieren und entsprechend umsetzen. Intensiv geübt wurde auch das Zusammenspiel mit den externen Notfallorganisationen.

Die Zusammenarbeit der diversen Partner beim KKW-Notfallschutz bildete denn auch den zweiten Schwerpunkt der GNU 2017: Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI, der Bundesstab ABCN, die Nationale Alarmzentrale NAZ im Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS, das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, die Kantonalen Führungsstäbe von Bern und Freiburg sowie ausgewählte regionale Führungsstäbe üben das Zusammenwirken der Führungsorganisationen auf den verschiedenen Ebenen.

Unter diesem Aspekt nahmen auch mehrere Stäbe aus dem benachbarten Deutschland teil.

Ebenfalls beteiligt waren Betreiber von Kritischen Infrastrukturen, insbesondere aus dem Verkehrsbereich (Bundesamt für Strassen ASTRA, SBB, PostAuto) und aus dem Gesundheitswesen (mehrere Spitäler des Kantons Bern). Schliesslich wurden spezielle Einsatzelemente wie die Probenahme- und Messorganisation, das externe Lager Reitnau und das System zur Information der Bevölkerung durch den Bund in Krisenlagen mit Radio (IBBK-Radio) beübt. Dabei werden die zivilen Organisationen durch spezielle Einsatzelemente der Armee unterstützt.

In der GNU 2017 wurde nicht nur die unmittelbare Bewältigung eines KKW-Unfalls geübt, sondern auch der Übergang in die Bewältigung der mittel- und längerfristigen Unfallfolgen in den ersten Tagen nach dem Unfall. Dabei geht es darum, Auswirkungen auf das öffentliche Leben in diversen Bereichen wie Verkehr, Gesundheitswesen, Lebensmittelversorgung, Schulen etc. mit geeigneten Massnahmen möglichst zu begrenzen.

Fazit: Zusammenarbeit ist noch verbesserungsfähig

Die Beobachter und die Übungsleitung beurteilen die geleistete Arbeit in einer ersten Bilanz positiv. Martin Haller, Fachexperte Grossübungen im BABS und Übungsleiter GNU 2017, stellt fest: «Der Notfallstab im KKW Mühleberg hat bewiesen, dass er im Falle eines schweren Unfalls im KKW rasch und richtig reagieren kann. Die diversen weiteren Partner haben sehr gute Stabsarbeit geleistet und dabei weitgehend reibungslos zusammengearbeitet – so wie es sein soll.»

Benno Bühlmann, Direktor BABS und Vorsitzender des Bundesstabs ABCN bilanziert aus Sicht einer beübten Stabsorganisation: «Wir dürfen feststellen, dass die Führungsstäbe von Bund, Kantonen und Regionen grundsätzlich gut organisiert und ausgebildet sind. Dennoch ist es sehr wichtig, dass wir das Zusammenspiel der verschiedenen beteiligten Stellen regelmässig üben. In jeder Übung stellen wir Dinge fest, die noch verbessert werden können. Die GNU 2017 hat aus meiner Sicht insbesondere gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir auf Bundesebene einen eingespielten Führungsstab haben, analog zu den kantonalen Führungsorganen. Wir sind denn auch daran, den Bundestab ABCN zu einem umfassenden Bundesstab Bevölkerungsschutz weiter zu entwickeln. Die GNU 2017 hat bestätigt, dass dies richtig ist.»

Quelle: BABS, Polizei- und Militärdirektion Bern)

(Bild: Wikipedia)
(Veröffentlicht/zuletzt geändert: 26. September 2017 / 29. September 2017)
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